#5 - Klassische Konditionierung - des Menschen

Hallöchen ihr Lieben,

 

heute schreibe ich euch also aus Lehrte bei Hannover, wo ich meine Mama und die Tiere besuche. Mein Freund hütet derweil unser Heim, gießt die Blumen und bespaßt die Bartagamen.

 

Der Tag fing mit einer ganz gemütlichen Zugfahrt mit dem Flixtrain an. Da dieser quasi von Haustür zu Haustür fährt, konnte ich selbst als Invalidin ohne Probleme bequem und ohne Umsteigen reisen. Koffer tragen mit Gips? Geht nicht! Daher war ich froh, dass Schatzi mich zum Bahnhof gefahren hat und die Mama mich schon in Lehrte erwartete. So hatte ich viereinhalb Stunden Zeit zum Lesen, Hörbuch hören und Rätseln.

 

Ich habe in meiner Lektüre "Handbuch für den Hundetrainer" auch gleich wieder ein paar interessante Dinge gelernt, bei denen ich mich selbst ertappt fühlte. Mein Harras hat ja nun Zeit seines Lebens bei uns, immer andere Hunde angekläfft und tut das bis heute. Auch der Hundetrainer und viele Begegnungen mit Hunden, konnten das nicht abstellen.

 

Nun habe ich etwas sehr Einleuchtendes gelesen, auf das ich an sich selbst hätte kommen können: anstatt ruhig zu bleiben und locker weiterzugehen, wenn eine Hundebegegnung anstand, habe ich mich verkrampft, bereits gedacht "Oh nein, da kommt einer" und so den Hund ungewollt bestärkt, dass hier äußerste Vorsicht geboten ist.

 

Auch jetzt noch merke ich, dass ich mich sofort "auf etwas gefasst mache", wenn ich einen Hund sehe. Selbst wenn Harras nicht bei mir ist... Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich selbst konditioniert. Oft leider unterbewusst und in die völlig falsche Richtung.

 

Die erste Zeit, nachdem Harras zu meiner Mama gezogen war, zuckte ich zum Beispiel jedes Mal zusammen, wenn jemand bei mir an der Haustür klingelte. Früher ist dann nämlich sofort der Hund aufgesprungen und hat markerschütternd gebellt. Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich das Türklingeln wieder normal wahrnehmen konnte.

 

Heute war mein Harras allerdings sehr ruhig und etwas verwirrt, weshalb die Begrüßung recht müde ausgefallen ist. Er hat irgendwie so gewirkt, als wäre ich nie weg gewesen. Aber ich habe mich umso mehr gefreut, den alten Graubart zu sehen.

 

Dafür hat die Emma in den höchsten Tönen gequietscht und natürlich wurde ich gleich zum Ballspielen abkommandiert. Den Ball kann man schließlich schießen und braucht gar keine Hände dafür. Das weiß auch die Emma!

 

Bei dem schönen Wetter hat die Mama nebenbei den Grill angeworfen und hat mich mit leckeren Putensteaks, Salat und Baguette verköstigt. Danach sind wir zum Stall gefahren, um hallo zu sagen und die neuesten Ereignisse zu erfahren. In letzter Zeit ist das ähnlich wie in einer Soap. Dramen spielen sich ab, es wird gelacht und geschimpft, Nebenrollen kommen und gehen, aber die Grundbesetzung bleibt immer dieselbe. So ist das Leben...

 

Zum Ausklang ging es in Mamas Kleingarten, wo zurzeit alles Früchte trägt, wächst und gedeiht. Während Mama fleißig am Gärtnern war, und die Hunde friedlich durch die Parzelle stöberten, habe ich anderthalb Eimer Johannisbeeren gepflückt. Das ging nämlich im Sitzen und mit einer Hand. Wie praktisch! So konnte ich mich gleich nützlich machen und bei der Ernte auch noch toll entspannen.

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